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Vom Mut, sich selbst zu begegnen

Wie oft findet sie uns im Alltag nicht, die Zeit, um dem nachzugehen, was uns im Innersten bewegt? Sem Seiffert hat sich Zeit genommen. Und mir einige Fragen beantwortet. Darüber, wie seine Texte entstanden sind und was das mit seiner Haltung dem Leben gegenüber zu tun hat.

Lieber Sem, wie wird aus Deiner Erfahrung ein Song?

Das ist sehr unterschiedlich. Ich plane meist nicht, was ich schreibe. Es gibt vielleicht Überschriften, vielleicht Stichworte. Aber auch hier entsteht es spontan, wenn ich Erlebtes bewusst einfließen lasse. Jeder Song besteht meist aus verschiedenen Erfahrungen.

Foto: Arndt von Koenigsmarck

Foto: Arndt von Koenigsmarck

Und was ist zuerst da, Text oder Musik?

Mittlerweile ist fast immer erst der Text vorhanden. Früher war es genau andersherum. Aber es gibt immer mal wieder Ausnahmen. Am interessantesten war es, als ich einen Text fertig hatte und etwa ein Jahr später, ohne an diesen Text zu denken, Musik komponierte, die fast eins zu eins dazu passte, als ich später Texte zu dieser Musik ausprobierte. Also war es vollkommen unterbewusst miteinander verknüpft. Sowas macht mich selbst sprachlos und ist immer wieder eine Freude, zu erleben.

Nach den Geschichten, die Du auf Tales to Tell erzählst, hast Du mit Diary Of A Traveller jetzt das „Tagebuch eines Reisenden“ geschrieben. Ist das neue Album persönlicher als das erste?

Das neue Album ist nicht mehr oder minder persönlich als das erste. Auch Tales To Tell erzählt Geschichten eines Reisenden.

Was macht diesen „Reisenden“ aus?

Songs wie „Deliverer“, „At the end of the day“ oder auch „Mind-Reader“ spielen zwar nicht an speziellen Orten, sind aber Reisen, die in mir selbst stattgefunden haben, durch Erfahrungen, die ich gemacht habe und/oder reflektiert habe. Also Reisen durch meinen Verstand und meine Gefühlswelt. Alle Songs sind sehr persönlich. Wenn ich auf Reisen bin, bin ich mit dem Rucksack unterwegs. Ohne feste Route. Mich inspiriert, was mir begegnet.

Gab es Landschaften während deiner Reisen, die dich besonders berührt haben? Menschen?

Ich liebe Peru. Korsika finde ich phantastisch. Aber grundsätzlich genieße ich jeden Ort und jede Landschaft, die ich bereisen darf. Auch in meiner Heimat sehe ich mich als Reisenden und verhalte mich nicht anders als wenn ich unterwegs bin. Mir sind viele Menschen begegnet, die mich beeindruckt haben. Mit kleinsten Facetten ihres Charakters. Menschen, für die Selbstverständlichkeiten gelten, die manch Anderen möglicherweise nie sichtbar werden. Einige Menschen, die ich persönlich kennengelernt habe, haben auch ihren Platz in meinen Songs erhalten. Mal als Person, mal als Teil des Ganzen.

An welcher Erfahrung bist Du am meisten gewachsen?

Am Alleine-Reisen. Am Sein selbst. An all den wundervollen Menschen, die mir begegnet sind.

DANKE fürs Teilen Deiner Erfahrungen!

Mehr Texte, Bilder und Musik von Sem Seiffert: http://www.semoclock.com/